Frequenztrennung mit Photoshop Elements

Die Frequenztrennung ist eine der mächtigsten Methoden bei der Beauty-Retusche. Leider ist es in Photoshop-Elements nicht ganz so einfach, die hierfür benötigten Ebenen herzustellen. Ich habe mich Mitte 2013 eine Woche lang auf den Hosenboden gesetzt, um auch Benutzern von Photoshop-Elements in meinen Workshops eine brauchbare Lösung mitzugeben.

Vermutlich gibt es andere oder vielleicht auch bessere Methoden, trotzdem möchte ich Euch meinen Weg hier zeigen. Ich freue mich, wenn es dem Einen oder Anderen weiterhilft und ich freue mich über jedes Feedback dazu.

Vorbereitung


Falls das Bild bisher aus mehreren Ebenen besteht, fassen wir zunächst alle Ebenen zu einer neuen Ebene zusammen mit der Tastenkombination <Shift>-<Alt>-<Strg>-e. Mac Anwender verwenden bitte immer die <cmd> statt der <Strg> Taste.

Diese neue Ebene nennen wir "Basis".

Falls dieser Schritt nicht notwendig ist, heißt unsere unterste Ebene wie immer: "Hintergrund".

Und los geht's


Die Basisebene duplizieren wir dreimal ( jeweils mit <Strg>-j ). Die erste Ebenenkopie (direkt über der Basisebene) wird in "Formen und Farben" und die mittlere Ebene in "Feine Strukturen" umbenannt. Die oberste Ebene dient zum Vergleich mit dem Originalbild und kann in "Vergleich – Original" umbenannt werden.

Diese oberste Ebene "Vergleich – Original" blenden wir zunächst aus. Dazu klicken wir auf das Auge-Symbol neben der Ebene.

Und so sieht es nun aus

Wir haben vier Ebenen. Die unterste ist das Originalbild, die oberste Ebene ist ausgeblendet. Momentan ist der Inhalt aller Ebenen noch völlig identisch, das wird sich aber gleich ändern...


Die Ebene "Formen und Farben"


Um die Ebene "Formen und Farben" zu bearbeiten ist sinnvoll, die darüber liegenden Ebenen "Feine Strukturen" und "Vergleich - Original" ebenfalls auszublenden (Auge Symbol).

Die Ebene Ebene "Formen und Farben" soll später nur die groben Formen und Farben des Bildes enthalten. Dazu müssen wir alle feinen Strukturen entfernen. Dies geht am schönsten mit dem "Gaußschen Weichzeichner" (unter Filter - Weichzeichnungsfilter) mit einem Radius zwischen 2 und 10 Pixeln. Der Radius ist abhängig von der Auflösung der Kamera und der Größe des Models im Bild. Hier muss man etwas rumprobieren. Die richtige Zahl ist erreicht, wenn in der 100% Vorschau alle Hautporen gerade verschwunden sind.

Gaußscher Weichzeichner
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Und so sieht es nun aus

Die Ebene besteht nur noch aus weichen Formen und Farbverläufen. Alle Ecken und Kanten haben wir erfolgreich vernichtet.

In diesem Bild wurde ein Radius von 4 Pixeln verwendet.


Die Ebene "Feine Strukturen"


Bevor wir diese Ebene bearbeiten, sollten wir sie zunächst mit einem Klick auf das Auge links neben dem Ebenensymbol wieder sichtbar machen.

Diese Ebene soll genau das beinhalten, was wir gerade in der Ebene "Formen und Farben" entfernt haben, also die feinen Strukturen wie z.B. Hautporen. Beide Ebenen zusammen sollen später wieder das Original Ausgangsbild ergeben.

In Photoshop gibt es hierfür die Bildberechnung-Funktion, die in Photoshop Elements leider fehlt. Zum Glück liefert uns die technische Dokumentation einen hilfreichen Hinweis ... den ich nach ca. 5 Tagen Suchen in der Dokumentation sogar gefunden habe ;-)

Der "Hochpass"-Filter entspricht exakt dem Gegenstück zum Gaußschen-Weichzeichner und reduziert ein Bild auf die feinen Strukturen. Wir führen also auf der Ebene "Feine Strukturen" den Hochpass-Filter aus (unter den Sonstigen Filtern). Der Radius muss hierbei exakt mit dem Radius des Gaußschen-Weichzeichners überein stimmen! (Also in meinem Beispiel wieder 4 Pixel)

Zur Kontrolle: das nun entstandene Bild ist im Wesentlichen Grau und zeigt hauptsächlich viele Kanten und Ecken.

Hochpass Filter
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Um diese Ebene mit der darunterliegenden Ebene zu verrechnen, stellen wir den Ebenenmodus der Ebene "Feine Strukturen" nun auf "Lineares Licht" und stellen die Deckkraft auf 50%.

Anmerkung 1: der Ebenenmodus „Lineares Licht“ gewichtet die obere Ebene doppelt so hoch, wie die darunter liegenden, siehe Adobe Photoshop Dokumentation. Um dies auszugleichen muss die aktuelle Ebene „Feine Strukturen“ auf 50% Deckkraft reduziert werden.

Im Ergebnis sollte das Gesamtbild wieder absolut identisch mit dem Originalbild sein. Durch ein-/ausblenden der oberen Ebene „Vergleich Original“ darf sich kein Unterschied im Bild zeigen. Wenn doch: alles nochmal kontrollieren!

Anmerkung 2: ein kleines Problem dieser Methode in Photoshop Elements ist, dass rein-weiße Stellen im Bild etwas abgedunkelt werden. Die kann man korrigieren, indem man die weißen Stellen über die oberste Ebene „Vergleich Original“ per Maske wieder einblendet.

Und so sieht es nun aus

Das nun sichtbare Bild sollte identisch mit dem darüberliegenden Originalbild sein

Durch An-/Ausschalten der obersten Ebene kann man das leicht kontrollieren.


Und jetzt ist es vollbracht!


Die benötigten Ebenen sind vorhanden und funktionieren, wie wir es von der Frequenztrennung aus Photoshop gewohnt sind.

Zunächst sollte man immer in der Ebene "Feine Strukturen" die eigentliche Hautbearbeitung vornehmen. Dies geschieht mit einem Kopierstempel bei 100% Härte und 100% Deckkraft. Ansonsten gehen Strukturen verloren.

Ausnahme: es sollen tatsächlich Strukturen verloren gehen, wie z.B. für das Dämpfen von Falten.

Die Ebene "Formen und Farben" wird hingegen immer mit einem sehr weichen Kopierstempel der Härte 0% mit einer Deckkraft von z.B. 10-20% bearbeitet. Auf dieser Ebene können wir Hautverfärbungen, Falten, Schatten oder auch Falten in Kleidungsstücken leicht ausgleichen.

Wichtig: bei der Bearbeitung beider Ebenen, darf das verwendete Werkzeug nur die „aktuelle Ebene“ als Vorlage aufnehmen. Sonst werden die Frequenzen wieder gemischt. Man erkennt das sehr schnell an eigenartigen Farben im Bild. Zur Sicherheit also immer auf die Werkzeugeinstellung "aktuelle Ebene" achten.

Und nun: Viel Spaß!


Fragen, Ideen und Anregungen bitte an: martin.fischer@mafifo.de

Martin Fischer Fotografie
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